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Vereinsleben Berichte

Vom Bodensee nach Kirgistan

von Ilse Wagner

Am Freitag, den 28. Oktober, verfolgten 20 interessierte Ruderer und Gäste die aufregenden Reiseerlebnisse unseres Mitglieds Laurens Krämer, der für einen humanitären Zweck 2012 und 2014 jeweils fast 7000 km auf dem Landweg nach Kirgistan in Zentralasien reiste.

Abenteuerliche Fahrten und wildes Campieren, unterwegs vom europäischen zum asiatischen Kontinent waren für die beiden Agraringenieure Laurens Krämer und Bigi Möhrle nur teilweise eine Vergnügungsreise. Das Paar gründete vor 10 Jahren einen Förderverein um das "Sozialdorf Manas", eine Einrichtung für Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen zu unterstützen. "Manas" ist ein Volksheld in der kirgisischen Literatur.

Das Sozialdorf wurde 2004 von Eltern begründet, deren behinderte Kinder dem Kinderrehabilitationszentrum "Nadjeschda (= Hoffnung, 1989 von der in Kirgistan lebenden Deutschen Karla-Maria Schälike begründet) entwachsen waren. Projektleiterin ist die überaus engagierte Ärztin Gulja Takyrbaschewa, die selbst vor einigen Jahren erblindet ist.

Viele, oft auch nur körperbehinderte Kinder werden in Kirgistan als wertlos und entwicklungsunfähig eingestuft, was ihnen den Weg in Kindergärten, Schulen und Berufsausbildung versperrt. Sie werden nicht in die Gesellschaft integriert, häufig vegetieren sie in staatlichen Verwahranstalten dahin.

Um den Bedürfnissen des wachsenden Sozialdorfs gerecht zu werden, organisierte Laurens aus Spenden einen behindertengerechten Mercedes-Sprinter und brachte das vollgepackte Fahrzeug 2012 unfallfrei nach Kirgistan.

Beim Betrachten der eindrucksvollen Reisebilder grenzt es an ein Wunder, ohne größere Zwischenfälle durch den wilden Osten der ehemaligen Sowjetunion nach Kirgistan, der "Schweiz Zentralasiens", zu gelangen. Die Reiseroute führte durch Polen und die Ukraine nach Kiew, mit einem Abstecher nach Tschernobyl, weiter nach Wolgograd, über die Ausläufer des Uralgebirges zum Aralsee in Kasachstan bis Bischkek in Kirgistan. Das Bergland mit vielen 3000ern ist fünfeinhalbmal so groß wie Baden-Württemberg, hat aber nur ca. fünfeinhalb Millionen Einwohner und ist das zweitkleinste Land Zentralasiens.

2014 war es nicht mehr möglich, durch die Ukraine zu reisen. Laurens wählte eine Reiseroute über das Baltikum nach Russland und Kasachstan, um den gespendeten, vollgepackten Kleintransporter nach Kirgistan zu bringen. Die stimmungsvollen Bilder, ob Bergwelt, riesige Getreidefelder, ausgedehnte Weideflächen mit Schafen, Kühen, Pferden und Kamelen oder das Strandleben am Issykkul-See, gaben uns einen interessanten Einblick in Land und Leute. Das bunte Treiben auf den Märkten mit der Fülle an Gemüse, Obst, Fleisch und Milchprodukten, vermittelte einen guten Eindruck von der Landwirtschaft, die oft wie einst zur Sowjetzeit in Kolchosen betrieben wird.

Das einfache – in unseren Augen arm anmutende – Leben der Kirgisen zeigten die Bilder von Wohnhäusern, Jurten und einfachsten Lokalen mit sanitären Außenanlagen entlang der Fernstraßen. Das neue, behindertengerechte Wohngebäude im Sozialdorf ist dagegen großzügig angelegt. Derzeit leben dort 18 junge Menschen, die betreut und geschult werden und nach ihren ganz individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten im Haushalt, Kuhstall, Hühnerhof oder in der Filzwerkstatt mitarbeiten und so einen Beitrag zu ihrem Lebensunterhalt leisten können.

Einige Bewohner können bald in einer geplanten Außenwohngruppe ein selbstbestimmtes Leben führen. Ihr Produkte, traditionelle Filzkissen und Filzschuhe, konnten wir sehen und auch erwerben.

Zur Stärkung der Gäste standen zwei große Töpfe gut gewürzter Kürbissuppe mit Brot parat. Zum Durstlöschen vor und nach der Bilderreise nach Zentralasien gab es wie immer Getränke aus der Clubkantine.

Hab herzlichen Dank Laurens für diesen informativen und unterhaltsamen Abend mit faszinierenden Bildern aus Kirgistan und dem Sozialdorf "Manas". www.sozialdorf.org

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