Breitensport Berichte

Ausfahrt mit dem Kirchboot – Montagsstammtisch auf Tour

von Markus Bittmann

Schon nach einem Kilometer wissen wir, warum die Wikinger erfolgreich die Weltmeere überquerten, flussaufwärts bis in die Metropolen Europas vorstießen und auch auf dem Bodensee Angst und Schrecken verbreitet hätten, wenn ihnen nicht der Rheinfall den Weg versperrt hätte. Wir aber kommen an diesem Sommerabend in friedlicher Absicht. Rolf Hospach, alter ÜRC-Weggefährte und engagiert in der RG SeeMalRhein in Radolfzell, hat den Montagsstammtisch zu einer Ausfahrt mit dem Kirchboot „Karisma“ eingeladen.

Wir sind schnell – sicher so schnell wie eines unserer Gigboote. Das liegt zum einen daran, dass Lars und Dirk einen beeindruckenden Doppelschlag hinlegen, zum anderen, dass die Mannschaft bei einem Kirchboot 14 Ruderplätze besetzt und die knapp eine halbe Tonne Bootsgewicht fast spielend beschleunigt.

Kirchboote sind tatsächlich eine Weiterentwicklung der Wikingerboote, allerdings vorwiegend auf Binnengewässern. Sie wurden – wie der Name verrät- im 17. Jahrhundert zum sonntäglichen Kirchgang auf den weitverzweigten Seen und Flüssen Finnlands entwickelt wurden. Die „Karisma“ ist ein finnisches Original, das auf abenteuerlichen Wegen zu der RG SeeMalRhein gefunden hat und nach mehr als 600 Renovierungsstunden seit 2016 das Herzstück des Bootsparks ist.

Wir rudern aus dem Markelfinger Winkel um die Mettnau ein Stück Richtung Radolfzell, dann bis zur Spitze der Reichenau und zurück über das Naturfreundehaus Markelfingen. Alle sind begeistert: Wir haben jeweils einen Nebensitzer, die Einsamkeit auf dem Bootsplatz ist Geschichte. Richtung Bug verliert man angesichts der Zahl der Plätze etwas den Überblick. Alle Positionen sind begehbar (markiert durch Fußabdrücke auf dem Holz in Yeti-Format) und neben dem Sitz sind Bohrungen, die mit Getränken bestückt werden können. Das Auf- und Abdrehen der Riemen entfällt, was am Anfang den einen oder anderen Krebs verursacht.

Im Naturfreundehaus Markelfingen ist der fröhliche Ausklang geplant. Anders als bei den Mondscheinfahrten, bei denen Wasserschuhe und Bootslagerung abendfüllende Themen sind, rudern wir mit Schwung ans Gestade, vertäuen das Schiff an einer eigens dafür gepflanzten Buche und kommen trockenen Fußes in die Wirtschaft. Rolf Hospach erweist sich nicht nur in Sachen Bootsleihe als sehr spendabel und lädt die gesamte hungrige und durstige Mannschaft zu einem Imbiss ein. Zurück kommen wir gerade noch vor einem der sommerlichen Regengüsse. Ein ganz herzliches Dankeschön an Rolf Hospach und die RG SeeMalRhein!

von Markus Bittmann (Fotos: Rolf Hospach)

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