Breitensport Berichte

Hälfte hamma!

von Markus Bittmann

Eine Wanderfahrt des Montagsstammtisches in Serbien (12.8.-19.8.2017)

Flüsse sind unterschiedlich breit und Kilometer können unterschiedlich lang werden – besonders bei Gegenwind, Strömungsausfall, großer Hitze und am Ende einer 60+ Etappe. Wir hatten von allem etwas. Manni Braun als genialer Cheflogistiker, Steuermann und Mädchen für alles organisierte nach 2005 und 2012 die dritte Serbienfahrt für den erweiterten Montagsstammtisch mit der Mannschaft Peter Abendroth, Markus Bittmann, Markus Doll, Marko Kutsche, Gerhard Schneider und Jörg Schrader. An drei Rudertagen legten wir 160 km auf Donau, Theiße und Save zurück.

Nach einem komfortablen Flug mit Swiss von Zürich nach Belgrad wurden wir von unseren Freunden des Ruderclubs „Danubius 1885“ mit dem Vereinsbus abgeholt. Zlaja und Srdja (der mittlerweile in Überlingen lebt) hatten ein perfektes Besichtigungsprogramm und ein Willkommensrudern in Novi Sad organisiert.

Der erste Tag führte uns von Novi Sad bis Titel, einer kleinen Stadt an der Theiße, die heute noch den Charme der alten Donaumonarchie ausstrahlt. Peter hatte noch die Einstellung der Skulls und die Anlage optimiert. Die „Schupfen“ (vormals Schaffhausen) und ein namenloser Vierer, den wir aus verschiedenen Gründen „Black Pearl“ tauften, brachten uns auf den ersten Kilometern zügig voran, abgesehen davon, dass die „Schupfen“ je nach Schiffswellen eher an eine „Schöpfen“ erinnerte. (Fake News: Die Boote waren mit Akkuhandstaubsaugern nass/trocken ausgestattet, die das lästige Putzen erleichterten).

Der Abend des zweiten Tages bescherte den erstaunten Mitgliedern des Belgrader Traditionsvereins „Gravicar 1905“ einen ungewöhnlichen Anblick: Zwei von drei Mann geruderte Doppel-Vierer legten nach über 60 km am Steg an, nicht mehr ganz taufrische Ruderer entstiegen den Booten, auf den letzten Kilometern in Belgrad getrieben durch den landestypischen Hunger und Durst. „Iron Rowers“ lautete die respektvolle Bezeichnung des örtlichen Trainers Lazo. Hier wiederholte sich auch, was wir bereits am Start als „Wunder von Novisad“ empfunden hatten: Den Duschen entsprang heißes Wasser, ohne dass man landesübliche Währung einwerfen musste.

Der dritte Tag begann im Hänsel&Gretel Modus: Flussauf der Save wurden wir an einem idyllischen Plätzchen samt Booten ausgeladen – über die zu rudernden Kilometer waren wir wohlweislich im Unklaren gelassen worden. In den nächsten Stunden nahmen Hitze und Gegenwind zu.

Die einen hatten Rücken, die anderen Hintern und lediglich die regelmäßig wiederholten Zurufe: „Hälfte hamma“ hielt uns in optimistischer Stimmung. Entlang einer endlosen Reihe von Häuschen am und auf dem Wasser kam die Skyline von Belgrad wieder näher. Beim Anlegen lugte unauffällig ein Kameraauge hinter einer Wasserzypresse hervor und ein munterer Manni Braun parlierte fünf Minuten später mit der charmanten Fernsehfrau. Die eher wortkargen Beiträge der Mannschaft wurden von Manni umfänglich in die Landessprache übersetzt und kamen am nächsten Morgen gleich nach News of the World in den Vormittagsnachrichten der serbischen ARD.

Über all der Ruderei waren wir dem kulturellen Erbe des ÜRC verpflichtet: Wir besuchten die Kathedrale der serbisch-orthodoxen Kirche, bestaunten die Festungswerke Petrovaradin und Kalemegdan gegen die osmanischen Angriffe des 17. Jahrhunderts (heute ein beliebtes Fotoshooting für Brautpaare) und mit einem Blitzbesuch in einem zweiten Museum kurz vor Rückflug setzten wir einen neuen Standard für den Verein. Im ersten Museum war eine Hommage an den Visionär und Erfinder Nikola Tesla zu sehen und im „Museum of Aviation“ wurden technische Leistungen seit den Pioniertagen der Luftfahrt lebendig.

Kulinarisch lebten wir durchgehend anti-vegan und entdeckten eine Vorliebe für die alkoholarmen „Jelen-“ und „Lavbräu“ Erzeugnisse (Deutsch: Hirsch und Löwen).

Die eigentlichen Helden der Wanderfahrt aber waren die Betreuer vor Ort, vor allem Nandi Nad, der uns mit riesigen Ladungen Mineralwasser, Obst und Sandwiches versorgte und ohne dessen Fahrdienst auch das Freizeitprogramm nicht möglich gewesen wäre. Bereits zum dritten Mal organisierte er zusammen mit seiner Frau Lilja den Landdienst. Dieses Mal übernahm noch ihr Sohn Sinisa das Steuer des zweiten Vierers und navigierte uns auch zu Land souverän durch die Belgrader Rush Hour. Manni Braun hat sich zu Recht nach vielen Stunden auf dem Steuersitz und unermüdlichem Organisieren royale Würden verdient.
Herzlichen Dank von der Mannschaft!

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