Breitensport Berichte

31 Jahre Gemeinschaftswanderfahrten des Überlinger und Hildesheimer Ruderclubs

von Ilse Wagner

Bodensee-Erlebnistour

Für das traditionelle "Vatertagstreffen" vom 24. bis 27. Mai hatte der hiesige Wettergott Verständnis und bescherte uns stabiles Hochsommerwetter mit ungewöhnlich lauen Abenden und wenig Wind. Das freute nicht nur die acht Hildesheimer Teilnehmer mit Fahrtenleiter Wolf-Henning. Auch unsere beiden Gäste aus Arbon, vor allem aber das Überlinger Organisationsteam und die Mitruderer waren froh über die idealen Voraussetzungen.

Früher als erwartet trafen am Mittwochnachmittag unsere Hildesheimer Ruderfreunde in Überlingen ein. Nach dem Einchecken im Hotel Alpenblick trafen sich alle Gäste und Überlinger im Clubgarten zum Sektempfang und Relaxen. Der glitzernde Überlinger See lud mit erfrischenden 19 Grad zum Schwimmen ein. Gegen 18 Uhr machten wir die Boote für die Abendausfahrt klar. Mit vier gesteuerten Vierern und einem Zweier ruderten wir unsere westliche Hausstrecke zum Strandbad Sipplingen und legten die Boote an Land. Im italienischen Restaurant "Riva" am See kehrten wir zum Abendessen ein.

Gegen 21:30 Uhr ging es mit Rundumlämpchen an Stäben befestigten wieder zurück nach Überlingen. Leider klappte es wegen des Neumondes nicht mit Mondlicht auf dem See, dafür sahen und hörten wir beim Vorbeirudern einiges vom nächtlichen Treiben mit lauter Musik auf der Überlinger Promenade.

Überlingen – Radolfzell: 36 km

Bei Sonne und glattem Wasser ging es am Feiertag kurz nach 8 Uhr mit unseren drei gesteuerten Vierern "Wellenreiter", "Spetzgart" und "Stadt Überlingen" sowie dem ungesteuerten Dreier "Baden" los.

Die Sightseeingroute führte zunächst mit Blick auf die Klosterkirche Birnau entlang den Pfahlbauten – immer mit Bergblick – auf die andere Seeseite zur Insel Mainau. Vor der Blumentreppe hielten wir und legten danach am Rudersteg der Uni-Konstanz für eine "Biopause" an. Dann passierten wir die Hafeneinfahrt der Autofähre Konstanz-Meersburg und fuhren entlang des Ufers nach Konstanz – mit freiem Blick auf Münster und Konzilgebäude –, wo vor 600 Jahren das einzige Konzil nördlich der Alpen tagte. Ein Stück nach der Rheinbrücke legten wir für eine Frühstückspause an der Wiese des Biergartens "Bleiche" an. Für die Weiterfahrt entschieden wir uns für die Rheinseite entlang der Insel Reichenau und blieben wie alle Sportboote und Kursschiffe einige Kilometer in der vorgeschriebenen Fahrrinne, bis wir Kurs auf die Inselspitze nahmen.

Wir querten den Untersee bis zur Halbinsel Mettnau, wo sich zunehmend mehr Motorboote und Segler tummelten. Beim RC-Undine lagerten wir die Boote auf der Wiese. Gemütlich verweilten wir im Garten und ließen uns die leckeren Kuchen einiger ÜRC-Damen schmecken, die der Landdienst mitbrachte. Die meisten Teilnehmer fuhren mit Clubbus und Pkw zurück nach Überlingen, andere mit der Bahn.

Zum Tagesausklang trafen wir uns auf der Terrasse des Restaurants "Osthafen" im Gelände des Überlinger Segelhafens. Der laue Abend mit sinkender Sonne wie auch das leckere Essen war ein Genuss für alle.

Radolfzell – Schaffhausen: 39 km

Für die besondere Hochrheinfahrt organisierte unser Wanderruderwart Rolf das original finnische Kirchboot "Karisma", ein schön geformtes Holzboot für 14 Ruderer, Steuermann und "Kielschwein". Vom Markelfinger Winkel fuhren wir auf dem Untersee, dann auf dem Seerhein entlang des deutschen Ufers – vorbei an den idyllischen Orten Horn, Gaienhofen (Dichter Hermann Hesse), Hemmenhofen (Maler Otto Dix) – nach Wangen und legten dort bequem am Campingplatz an. Nach einer frühen Mittagsrast ging es zügig weiter bis Stein am Rhein und danach auf dem Hochrhein stets in der kurvigen Schifffahrtslinie mit mehr Strömung nach Schaffhausen. Zum Glück waren noch wenig Motorbootraser unterwegs.

Dieser Abschnitt ist landschaftlich besonders schön mit naturbelassenen Ufern, Rebhängen und der alten gedeckten Holzbrücke, die als einzige Brücke das deutsche Ufer Gailingen mit Diessenhofen auf der Schweizer Seite verbindet. In Schaffhausen legten wir am Kanuclub an. Das 12,50 m lange, 2 m breite und 450 kg schwere Boot (ohne Riemen) konnte dort über eine Slipanlage auf den speziellen Hänger gezogen und zurück nach Radolfzell transportiert werden. Für die Rückfahrt nach Überlingen bekamen die Hildesheimer Gäste auf dem Weg zum Bahnhof einen Eindruck von den Schaffhausener Altstadthäusern mit prachtvollen Erkern, einst wohlhabender Stadtstaat, bis 1798 Napoleon einzog.

Den Abend verbrachten die Gäste dicht gedrängt auf der Terrasse des alteingesessenen Weinhauses "Renker", einem urigen Überlinger Lokal mit guter Küche und ausgesuchten Weinen und vielen Stammgästen.

Radolfzell – Überlingen: 35 km

Am Samstag fuhren die Hildesheimer mit ihrem Landdienst nach Radolfzell, die Arboner und Friedrichshafener Gäste nahmen wie die Überlinger Teilnehmer die Bahn und gingen zu Fuß zum RC-Undine. Bis unsere vier Boote im Wasser waren, schlugen die Radolfzeller Münsterglocken bereits 9 Uhr – reichlich spät für eine Wanderfahrt an einem langen Sommerwochenende! Auf dem ersten Abschnitt entlang der Halbinsel Mettnau lag der Zeller See wie ein Spiegel vor uns.

Auf der sog. Liebesinsel tummelten sich Schwäne, deren weißes Federkleid einen guten Kontrast zum Blau des Wassers und zum satten Grün des Naturschutzgebietes bot. Auch auf der Überfahrt zur Insel Reichenau war es noch ziemlich ruhig.

Es war ein Genuss auf dem Gnadensee entlang der Klosterinsel Reichenau mit Blick auf die drei romanischen Kirchen dahinzugleiten, die im Jahr 2000 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurden. Außer einigen Fischerbooten und Standup-Paddlern war noch nichts los, und wir lauschten dem Vogelgezwitscher. Allerdings begegnete uns ausgerechnet in der engen Durchfahrt "Bruckgraben" durch den Inseldamm ein Motorboot – als Vorgeschmack für das, was noch kommen sollte! Nach einer Flachwasserzone, der Heimat von Hunderten Schwänen, die im Schilfgebiet brüten, stärkten wir uns am Schweizer Ufer bei Gottlieben für die Weiterfahrt nach Konstanz. Je schmaler die Fahrrinne wurde, desto mehr Motorboote und Kursschiffe waren unterwegs. So viel Verkehr von allen Seiten hatten selbst erfahrene "Seehasen" noch nicht erlebt. Dementsprechend wellig war es natürlich. Bis wir die Rheinbrücke und den Konstanzer Trichter endlich hinter uns hatten, waren wir durchgeschüttelt und ehrlich gesagt auch genervt.

Wellen und Schiffsverkehr gab es auch weiterhin bis zum Rudersteg der Uni-Konstanz, wo wir anlegten und etwas verweilten. Auch auf dem letzten Abschnitt – um die Blumeninsel Mainau mit Barockschloss – und auf der Überquerung des Überlinger Sees kreuzten Kursschiffe, Segler und Speedboote.

Sicher waren alle erleichtert, als wir gegen 15 Uhr wohlbehalten wieder an unserem Steg anlegten. Nachdem die Boote gründlich gereinigt waren, sorgte der See eine gute Erfrischung der Ruderer. Für die innere Abkühlung gab es in der Clubkantine eine Auswahl an Getränken.

Später trafen sich Gäste und Gastgeber zum Grillabend auf dem Clubgelände. Fahrtenleiter Rolf grillte große Bratenstücke auf dem Schwenkgrill über offenem Buchenfeuer, und einige Ruderdamen brachten leckere Salate mit. Ein schöner Abschluss nach dieser gelungenen Wanderfahrt mit Ruderfreunden von nah und fern in der landschaftlich einmaligen Bodenseeregion! Die Überlinger waren froh, dass alles gut geklappt hat, das Wetter mitmachte und das angedachte Ausweich-Landprogramm für Regen und Sturm in der Schublade bleiben konnte.

Möge es auch 2018 wieder eine stimmungsvolle Wanderfahrt mit den Hildesheimer Ruderfreunden geben – wohin auch immer! Eines ist sicher, das Treffen wird auf einem Fluss stattfinden. Wir lassen uns überraschen.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Helfer.

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