Breitensport Berichte

Slippen en liggen

von Irmgard Zink

„Wollt ihr in der ersten Septemberwoche im Norden von Holland, Friesland rudern? Ihr müsst Euch jedoch bis übermorgen entscheiden!“ Diese Frage von Margrit im Frühjahr 2016 mit einem entschlossenen „Ja“ beantwortet zu haben, bescherte Peter und mir vom 1.9.16 bis 9.9.16 einen unvergesslich schönen Ruderurlaub in Friesland.

Doch nun erst mal der Reihe nach: Margrit und Ilse, immer interessiert Ruderkontakte zu anderen Rudervereinen lebendig zu erhalten, fragten seit Jahren bei dem Ehepaar Anneco, gebürtige Niederländerin, und Heinz (beide erfahrene Wanderruderer und engagiert im Seeclub Arbon) nach, ob sie nicht ihre Erfahrungen „Rudern in Friesland“ mit ihnen teilen möchten. September 2016 war es dann soweit!

Drei Ferienhäuschen im malerischen Weiler Poppenwier waren gebucht, zwei Boote im „Roeivereniging de Geeuw“ in der Stadt Sneek reserviert und 7 Touren zwischen 20 und 40 Kilometer rund um Sneek ausgearbeitet. Tja und eine Woche vor Abfahrt brach sich dann Ilse zuhause das Wadenbein! Dank der guten Kontakte von Anneco konnten wir dann auf die „Statenbocht“ einem gesteuerten Fünfer wechseln. Ilse musste leider statt ins Stemmbrett zu treten ihr Bein in einer Schiene lagern.

Die erste Tour am Sonntag den 4. 9. begannen wir alle mit großer Spannung. Welche Herausforderungen beschert uns das launische friesische Wetter? Wie harmonieren Ruderer niederländischer, schweizerischer und deutscher Herkunft aus unterschiedlichen Clubs? Was ist zu beachten in verkehrsreichen Grachten und Kanälen mit Brücken aller Art?

Wir merkten jedoch schnell, dass wir mit Anneco eine versierte Steuerfrau und mit Heinz einen jeder Situation gewachsenen Schlagmann an Bord hatten. So lernten wir den für uns „Überlinger“ neuen und beim häufigen Passieren von äußerst niedrigen und schmalen Brückendurchfahrten wichtigsten Ruderbefehl „Slippen en liggen“ (Ruder lang und flach legen) ohne Zaudern in Sekunden schnelle umzusetzen. Am Tag darauf konnten wir sogar selbst mal das Steuer führen und stellten fest, dass dieser Job allerhöchste Aufmerksamkeit und schnelle Entscheidungsfähigkeit erfordert. Nichts für Träumer!

Täglich starteten wir mit der „Statenbocht“ vom Ruderclub de Geeuw und lernten die zweitgrößte Stadt der Provinz Friesland vom Wasser aus kennen. Mehrmals passierten wir die malerische Waterpoort von 1613, das Wahrzeichen von Sneek, backsteinerne Ziegelhäuschen und den großen Yachthafen. Auf unseren Touren begegneten uns viele schöne traditionelle Plattbodenschiffe mit ihren charakteristischen Seitenschwertern.

Eine Tour führte uns nach Poppenwier, direkt vor unsere Ferienhäuschen, wo Margrits Peter angelnd und mit frisch gebrühtem Kaffee die Statenbocht-Crew erwartete. Unterwegs mussten wir zwei handbetriebene Schleusen passieren und stellten verwundert fest, dass wir trotz herabgelassenem Wasser nach der Schleuse höher lagen. Dies ist durch die Entstehungsgeschichte der verschiedenen Polder zu erklären, die Weideflächen rechts und links lagen teilweise unter dem Kanalniveau.

Eine andere Tour führte über enge Wasserstraßen nach Woudsend, ein kleines Städtchen mit noch aktiven Windmühlen (Getreide- und Sägemühle). Meist kehrten wir gegen 14-15 Uhr von unseren Touren zurück. Margrit hatte großen Gefallen beim Passieren des Sneeker Meeres und wünschte sich zum Abschied am Freitag nochmal eine Tour auf offenen Gewässern.

Am Donnerstag- und Freitagnachmittag konnten wir dann eine kleine Ahnung erhalten, wie es wohl in der Hochsaison hier auf den Wasserstraßen zugeht. Das hochsommerliche Wetter, das uns die ganze Woche mit Temperaturen von 25-30 Grad beglückte, lockte zum Wochenende nochmal viele Bootsbesitzer nach Sneek auf ihre Schiffe. Für uns endete jedoch am Freitagnachmittag das Rudern in Friesland, und wir feierten diese in jeder Hinsicht gelungene Woche mit einem gemeinsamen Abendessen in einem Hafenrestaurant mit Blick auf den „Prinses Margriet Kanaal“ in Grou.

Ein herzliches Dankeschön an Anneco und Heinz aus Arbon und an den gastfreundlichen Sneeker Ruderclub.

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