Breitensport Berichte

Zwei Seen, ein temporäres Crewmitglied und unzählige Eindrücke

von Sabine Busse

Neun Leute und zwei PKWs. „Das passt!“ fanden Organisator Rolf Hospach und Margrit Höring, die ihn tatkräftig unterstützte. So starteten am frühen Samstag, den 9. Juni,  zwei Autos voller gut gelaunter Ruderer. Erstes Ziel war der Ammersee. Beim Ruderclub TSV Herrsching hatten wir uns angemeldet und um Überlassung von zwei gesteuerten Vierern gebeten. Da kurzfristig eine ÜRC-Ruderin erkrankte, waren wir allerdings nur neun Leute. Das war aber kein Problem, denn in Herrsching wurden wir nicht nur sehr freundlich von Günter Weimer empfangen, es fand sich auch gleich eine Sportlerin, die spontan die 31-Kilometer-Tour mitmachte. Friederike Hellerer ruderte nicht nur den ganzen Tag mit uns, sie gab den Bootsinsassen auch viele Informationen über den Ammersee mit, schließlich ist die Historikerin Archivarin der Stadt. Wir lernten unter anderem, dass früher der Ammersee als Bauernsee im Gegensatz zum herrschaftlichen Starnberger See galt. Bei unserer Rudertour konnten wir feststellen, dass sich die Zeiten geändert haben, wie einige luxuriöse Villen am Ufer belegten.

Bevor es losging, stellte sich eine gewisse Ernüchterung ein. „Zu Hause würden wir sagen, heute ist kein Ruderwetter“, meinten einige mit Blick auf die kleinen Schaumkronen. Für den Nachmittag waren zudem Gewitter angesagt. Rolf meinte „das wird schon“ und so machten wir uns in südlicher Richtung auf den Weg. Damit absolvierten wir den längsten Schlag zuerst und hätten so nachmittags bei schlechtem Wetter schneller abbrechen können. Zum Glück legte sich der Wind, die Sonne kam durch und wir konnten die komplette Strecke bei sommerlichen Temperaturen rudern. Für die Mittagspause legten wir in Stegen neben einem Biergarten an und genossen eine bayerische Brotzeit.
Wir ruderten an historischen Schaufelraddampfern vorbei und einigen Elektrobooten, denn auf dem Ammersee gibt es so gut wie keine Motorboote. Es ging entlang des grünen Ufers um die Landzunge bei Lochschwab, von wo man gut das auf dem Berg gelegene Kloster Andechs sehen konnte. Es diente uns als grobe Orientierungshilfe, denn der Ruderclub liegt in Luftlinie darunter. Doch vorher fuhren wir noch durch die Bucht von Herrsching und beobachteten das rege Treiben auf der belebten Promenade.

Am Zielort erwartete uns schon Günter Weimer und half alles wieder an Land und an den angestammten Platz zu bringen, bevor wir in den Ammersee sprangen und die Abkühlung genossen. Nachdem wir uns von den freundlichen und hilfsbereiten Gastgebern und der netten Mitrudererin verabschiedet und herzlich für die tolle Unterstützung bedankt hatten, machten wir noch einen Abstecher nach Herrsching. In unserem Quartier, einem Landgasthof in Eresing, ließen wir den Tag mit einem guten Essen ausklingen.

Am zweiten Tag stand der Starnberger See auf dem Programm. Diesmal war der Tutzinger Ruderverein unser Gastgeber. Vor Ort empfing uns Frank Klein. Unserer Bitte, einen Mitruderer zu besorgen, konnte er nicht entsprechen. Dafür hatte er eine bessere Idee: „Dann nehmt doch den Achter“, sagte er und zeigte uns einen baugleichen Schellenbacher Achter, wie wir ihn vor zwei Jahren angeschafft haben. So konnte zu unserer großen Feude die ganze Gruppe in einem Boot rudern! Dass wir unseren Achter nicht so ohne weiteres an unbekannte Gäste verleihen würden, haben wir ihnen erst nach der Rückkehr verraten.

Es folgte eine tolle Wanderfahrt an einem strahlend schönen Sonntag auf dem sich langsam belebenden Starnberger See. Zuerst ging es nach Süden, wo wir beim ‚Buchheim Museum der Phantasie‘ mit Blick auf die Alpen den See überquerten. Die südliche Spitze des Sees ließen wir aus, da die Tour sonst über 40 km lang geworden wäre. Ab jetzt kamen die Ruderer aus dem Staunen nicht mehr raus. Wir fuhren an pittoresken Schlösschen, prachtvollen Villen mit großen Seegrundstücken und malerisch gelegenen Biergärten und Hotels vorbei. Besonders in Erinnerung blieb zum Beispiel Schloss Seeburg bei Münsing oder das Pocci Schlössl mit seinen Zwiebeltürmchen.

Etwas kurios war der Halt vor dem Kreuz und der Votivkapelle, die an den hier tot aufgefundenen Ludwig II erinnern. An diesem Sonntag fand die vorgezogene Feier zum 132. Todestag des bayerischen Königs statt. Zahlreiche sogenannte ‚Königstreue‘ in Trachten hatten sich zu dem traditionellen Gendenkgottesdienst versammelt. Der Pfarrer hielt gerade die mit Mikrophon verstärkte Predigt, von der wir Wortfetzen wie „ein Werk des Teufels“ und politische Aussagen aufschnappten, die eher an eine politische Kundgebung als an eine Kirchenfeier erinnerten.

Nach so vielen Eindrücken kam die Pause beim Münchner Ruder- und Segelverein „Bayern“ in Starnberg gerade recht. Unser auswärtiges Mitglied Hannes Luyken rudert dort und machte es möglich, dass wir unser Boot auf Böcke legen und im Restaurant zu Mittag essen konnten.
Am Ende der Pause zogen am Horizont dunkle Wolken auf, so dass wir zügig die letzte Etappe in Angriff nahmen. Auf dem jetzt sehr trubeligen See ging es vorbei am Schloss Possenhofen, wo einst Sissi ihre Kindheit verbrachte, und der Roseninsel. Die Wolkenwand wurde immer dunkler. Als die Sturmwarnung anging war es zum Glück nicht mehr weit und wir schafften es, den Achter vor dem einsetzenden Regen wieder sauber und trocken in die Bootshalle zu bringen. Frank Klein, der uns schon am Steg erwartet hatte, fasste mit an und sorgte anschließend für die Getränke. Nach einem kurzen Bad im See und einigen Regentropfen wurde es wieder heller und der Spuk war vorbei. Ein paar Kilometer weiter unten hatte es ein Gewitter mit einem Hagelschauer gegeben, von dem wir zum Glück verschont blieben. Den Nachmittag und unsere schöne Tour auf zwei bayerischen Seen ließen wir auf der Wiese des Tutzinger Rudervereins in netter Runde mit unseren Gastgebern ausklingen. Wir würden uns freuen, wenn sie – ebenso wie die Herrschinger Ruderer – ihr Versprechen wahrmachen und uns in Überlingen einen Gegenbesuch abstatten würden. Nach so viel Unterstützung und freundlicher Aufnahme, würden wir gerne etwas zurückgeben.

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