Jugend Berichte

Jugend-Wanderfahrt nach Schaffhausen

von Maximilian Walter

Am Wochenende vom 08. auf den 09. Oktober 2016 trat am Bodensee ein seltenes Ereignis auf, das sich in etwa alle zehn Jahre abspielt:

16 Jugendliche und junge Erwachsene des Überlinger Ruderclubs wagten sich an die als gefährlich geltende Ausfahrt von Überlingen bis Konstanz, von dort weiter den Seerhein hinab bis Radolfzell und schließlich bis Schaffhausen in der Schweiz, kurz vor dem Rheinfall.

Nachdem zuvor bereits Vorräte eingekauft worden waren, konnte es am Samstagmittag losgehen: Vier Boote wurden startbereit gemacht und mit Schwimmwesten, ÜRC-Flaggen, Schöpfkellen, Bootshaken und einigen weiteren Dingen ausgestattet. Um 14:30 Uhr waren planmäßig alle Boote auf dem Wasser, das Wetter leistete ebenfalls seinen Beitrag zu diesem Spektakel: es war (meist) trocken.

So überquerten wir zunächst den Überlinger See, ruderten an der Mainau und am Konstanzer Fährhafen Staad vorbei, bis hin zum Konstanzer Hörnle.

Von dort folgten wir dem Seerhein bis zum Konstanzer Ruderclub Neptun, wo die erste kurze „technische“ Pause eingelegt wurde. Da die Strömung glücklicherweise nicht allzu stark war, konnten wir gemütlich weiterrudern und erreichten schließlich den Untersee. Am Damm zur Reichenau wartete das nächste Highlight auf uns: Wir fuhren durch den Tunnel, der unter dem Damm hindurchführt und uns somit eine kleine Abkürzung bescherte. Am Ufer der Reichenau entlang überquerten wir den Untersee an seiner Längsachse, vorbei an der Mettnau, bis nach Radolfzell. Als unser Tagesziel legten wir hier am Steg des Radolfzeller Ruderclubs Undine an, genau rechtzeitig, bevor gegen 19 Uhr die Dämmerung eintrat. Die geplante Tagesleistung von 30 Kilometern war geschafft, die Boote wurden verstaut und die Ruderer machten sich frisch für den gerade erst beginnenden Abend.

Gemeinsam marschierten wir alle in die Stadt, um zu Abend zu essen. Ein Ruderer hatte unterwegs die 1‘000 Kilometer-Marke für das Jahr 2016 geknackt, so dass er freundlicherweise die gesamte Mannschaft auf ein Getränk einlud.

Zurück im Radolfzeller Ruderclub verspeisten wir einen gestifteten Kuchen, bevor langsam aber sicher das Nachtlager im Kraftraum des Clubs hergerichtet wurde. Zwischen den Geräten waren schnell Luftmatratzen und Isomatten aufgebaut, sodass schließlich alle erschöpft dem Schlaf verfallen konnten.

Am nächsten Morgen um Punkt 7:00 Uhr wurden wir von Walter geweckt, denn der Zeitplan war straff: Um 9.00 Uhr sollten wir auf dem Wasser sein. Nach dem Verzehr der vom Landdienst gestifteten frischen Brötchen konnten alle frisch gestärkt die Boote zu Wasser lassen, sodass wir tatsächlich gegen 9.00 Uhr auf dem Wasser waren. Wir verließen den Untersee in Richtung Gaienhofen, wo langsam aber sicher aus dem See der Rhein wird. Festzustellen war dies auch an der langsam einsetzenden Strömung, die den teilweise etwas müden und vom Vortag gezeichneten Ruderern wie gerufen kam.

Vorbei an Stein am Rhein folgten wir dem Rhein stromabwärts, was nun insbesondere für die Steuerleute eine Herausforderung war. Denn die Fahrrinne variiert hier von der linken Flussseite zur rechten, wieder zur Mitte, ohne erkennbares Muster, aber dem teilweise sehr flachen Grund angepasst.

Da auf dem Rhein jedoch keinerlei Verkehr herrschte (insgesamt begegneten wir etwa 10 Schiffen, hauptsächlich Anglern), war dies ohne große Gefahr zu meistern. Nun hauptsächlich auf Schweizer Territorium unterwegs durchfuhren wir auch die deutsche Exklave Büsingen, bevor wir schließlich gegen 13.00 Uhr und nach weiteren 37 Kilometern den Steg des Schaffhauser Ruderclubs erblickten. Vorschriftsgemäß legten wir gegen die Strömung an und trugen die Boote an Land. Unser Vereinsbus samt Bootsanhänger war bereits da, sodass die Boote sofort abgeriggert und verladen werden konnten. Gegen 14.15 fuhren wir, mit Unterstützung zweier Eltern, die einen Fahrdienst angeboten hatten, los in Richtung Heimat. Gegen 15.30 Uhr zurück in Überlingen wurden alle Boote wieder abgeladen, gereinigt, fahrbereit gemacht und alles aufgeräumt.

Nach einer kurzen Schlussansprache von unserem Jugendruderwart und Organisator der Wanderfahrt, Walter, trennten sich unsere Wege, jeder kehrte zurück nach Hause.

Die Wanderfahrt war ein wunderbares Erlebnis, gerade weil man nun einmal seine eigene Heimat auch von der Wasserseite besser erkunden konnte. Der Schrecken des Rheins wurde uns genommen, da dieser zwar durchaus seine Tücken mit sich bringt, dank hervorragender Steuerleute jedoch ohne Probleme und Zwischenfälle zu meistern war. So waren die knapp 70 Kilometer auf unserem Heimatgewässer uns allen eine wertvolle Erfahrung. Mit Ausnahme von Walter selbst hatte noch keiner von uns eine Rhein-Wanderfahrt miterlebt, obwohl insbesondere die (jungen) Erwachsenen teilweise auch schon einige Jahrzehnte im Verein aktiv sind. Es bleibt uns, zu hoffen, dass es bis zur nächsten Wiederholung einer solchen Wanderfahrt keine 10 Jahre mehr dauern wird.

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