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Hans Fähnle, Maler der "verschollenen Generation"

von Ilse Wagner

Unser diesjähriger kultureller Ausflug am Freitagnachmittag, 23. September, führte 16 Interessierte nach Goldbach in die die versteckt liegende Städtische Galerie Fähnle. Außer einer Teilnehmerin, die als Jugendliche in den Ferien dort als Aufsicht tätig war, kannte niemand diese Gemäldegalerie. Die beiden großen Ausstellungen über Hans Fähnle 2014 und 2015 in der Galerie Fauler Pelz in Überlingen kannten die meisten.

Die kleine, feine Galerie am Ende der Goldbacher Straße gibt es schon lange. Nach dem Tod Fähnles (1903-1968) ließ sein Bruder Erich auf dem elterlichen Grundstück am Steilhang einen weißen Kubus als Ausstellungsgebäude erbauen, um für die 270 Gemälde der Sammlung, davon ein Drittel beidseitig bemalt, ein Zuhause zu schaffen. Das Gesamtwerk umfast ca. 400 Gemälde.

Die Eltern Fähnle zogen 1932 nach Überlingen. Obwohl Hans Fähnle ab 1946 bis zu seinem Tod in Stuttgart lebte, dort auch malte und an der Freien Kunstakademie lehrte, hatte er zudem noch ein Atelier im Elternhaus. Dort entstanden viele Landschaftsbilder mit Seestimmungen.

1975 gingen Gebäude und Sammlung als Schenkung an die Stadt Überlingen über, mit der Auflage, die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach baulichen Sanierungen öffnete die Galerie 2013 auf Initiative des Fördervereins Galerie Hans Fähnle e.V. wieder.

Bis zum 23. Oktober ist dort noch die aktuelle Ausstellung "Ich, Fähnle" – Selbstinszenierungen – geöffnet. Auch wir wollten die Selbstbildnisse dieses Künstlers, der dem expressiven Realismus angehört, der sog. "verschollenen Generation" von deutschen Malern, die lange Zeit in Vergessenheit geraten waren und erst in den 1980er Jahren wieder einen Platz in der Kunstgeschichte eroberten.

Da lag es nahe, die Fachfrau für Fähnlewerke zu fragen, die Restauratorin Dr. Barbara Lorenzer, ob sie uns durch die Ausstellung führt. Sie ist mit unserem Ruderkameraden Markus H. verheiratet, der ebenfalls als Restaurator tätig ist. Als Gemälderestauratorin, die bereits 25 Fähnlewerke konserviert und wiederhergestellt hat, konnte uns Barbara Lorenzer eine Fülle von Informationen über das Gesamtwerk, die Themen und Maltechnik Fähnles vermitteln.

Hans Fähnle zeigt jedoch nicht nur in der Wahl der Themen, sondern vor allem in der Verwendung von Malmaterialien Vielfalt. In einem Teil der 30 vorhandenen Selbstporträts wird die Entwicklung des Künstlers – vom Früh- bis Spätwerk – sichtbar, von naturalistisch bis expressiv und auf das Wesentliche reduziert.

Zu Beginn seines künstlerischen Schaffens war es die akademische Malweise mit reinen Ölfarben. Später experimentierte der Künstler mit verschiedenen Bindemitteln und stellte seine Farben selbst her. Er verwendete extrem viel Farbe für seine Bilder, übermalte sie oft und bemalte auch die Rückseite. Er soll bis zu 10 kg Weiß für ein Bild verwendet haben! Zum Glück hatte Fähnle eine Mäzenin, die ihn viele Jahre finanziell unterstützte.

Die eigenwillige, experimentelle Maltechnik, die Hans Fähnle im Lauf seines Wirkens entwickelt hatte, ergänzt seine expressive Malweise. Je einfacher die Formen wurden, desto vielfältiger und komplexer wurde die Technik!

Die Mixtur der Farben macht es beim Restaurieren schwer, die große Farbmenge der Bilder zu fixieren und zu konservieren. Im Depot warten noch einige Gemälde darauf, wieder hergestellt zu werden. Vielleicht können wir in einigen Jahren weitere Werke des vielseitigen Malers Hans Fähnle in seiner Galerie sehen.

Herzlichen Dank an Barbara Lorenzer.

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