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Ilse im Iran – Moscheen, Paläste und selbstbewusste Frauen

von Sabine Busse

Rudern und Reisen sind zwei Leidenschaften von Ilse Wagner. Im letzten Herbst legte sie zwei Wochen Ruderpause ein und besuchte mit einer Reisegruppe den Iran. Bei einem Ruderhock hat sie jetzt von ihren vielen interessanten Eindrücken und Erlebnissen berichtet. Bevor Ilse den Beamer anwarf gab es erst einmal etwas zu essen. Die kulinarische Einstimmung auf Persien hatte federführend Margrit Höring, unterstützt von Ingrid Falkenberg und Conny Gaupp, übernommen. Die zahlreich erschienen Gäste wurden mit orientalisch gewürzten Gerichten verwöhnt. Margrits Kochkunst ist legendär, aber dass sie auch internationale Küche so souverän auf den Tisch bringt, ist beeindruckend.

Dem stand Ilses Vortrag in nichts nach, die uns mit auf einen virtuellen Abstecher in den Iran nahm. Das Land hat zwar beinahe die gleiche Bevölkerungszahl wie Deutschland, ist aber 4,6 Mal so groß! Die größte Bevölkerungsdichte herrscht in der Millionen-Metropole Teheran und seinem Umland. Dort startete Ilse mit einer Gruppe, die aus acht Frauen bestand sowie einer iranischen Reiseleiterin und einem Fahrer.

Die Tour führte die Gruppe Richtung Süden und schrittweise in die Regionen des Zagros-Gebirges, das das Land durchzieht. Sie machten an Wallfahrtsorten, historischen Stätten und pittoresken Bergdörfern Station. Ilse zeigte Fotos von opulent und mit beeindruckender Handwerkskunst geschmückten Kuppeln und Gotteshäusern, die außerhalb der Gebetszeiten für Besucher offen stehen. In den Mosaiken geben oft Blau, Türkis und Gold den Ton an. Das Edelmetall schmückt ganze Kuppeln. Dazu gibt es bunt gestaltete Kacheln, filigrane Steinmetzarbeiten oder geschnitzte Elemente mit orientalischer Ornamentik.

Die Gruppe besuchte neben religiös bedeutenden Stätten wie Qom auch weltliche Prachtbauten und Gärten in Kashan, Isfahan und Yazd. In dem auf 2500 Meter gelegenen Bergdorf Abyaneh, das ausschließlich aus Lehmbauten besteht, übernachteten die Frauen und picknickten mit einer Kräuterfrau. Ohne die Touristen würde das älteste Dorf des Landes in der kargen Bergwelt wohl nicht mehr existieren. Ilse hat sich bei ihrer Reise im Brot backen und Teppichknüpfen geübt und sah zahlreichen Köchen über die Schulter.

Mit großem Interesse verfolgten die Zuhörer Ilses Erfahrungen mit den dortigen Kleidervorschriften für Frauen. In Qom mussten sich die Besucherinnen vor dem Betreten des heiligen Bezirks erst in einen Tschador hüllen, der keine Haare sehen lässt und den ganzen Körper verhüllt. Ansonsten reichte das locker um den Kopf geschlungene „politische“ Kopftuch, wie Ilse es nennt. Dabei muss vor allem der Hinterkopf bedeckt sein. Auf ihren  Bildern zeigte sie junge Frauen, die diese Vorschriften bis an die Grenzen auslegen und ein  farbenfrohes Makeup tragen. 60 Prozent der Hochschulabgänger im Iran sind Frauen. In der Arbeitswelt sind sie aber bei weitem nicht immer als gleichberechtigt anzusehen.

Neben Persepolis, der vielleicht geschichtsträchtigsten Stadt  der antiken Welt, lag noch Shiraz auf der Reiseroute. Die Stadt im Süden war eine der letzten Stationen. Sie liefert ein  gutes Beispiel für die lange zurückreichende kulturelle Geschichte des Landes, in dem nicht immer so viele religiöse Verbote galten wie heute. Der gleichnamige Wein stammt aus der Region und ist dort auch gerne verzehrt worden, was Ilse anhand eines alten Gedichts belegte. Die Ruderkollegen dankten ihr für den informativen und schönen Abend und blieben gerne noch zur „Nachbesprechung“ hocken.

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