Vereinsleben Berichte

Mönche, Macht und Maultaschen

von Sabine Busse

Wenn Winfrid Boos seine Arbeitsstunden ableistet, wird es interessant. Nachdem er im Frühsommer eine Gruppe durch die Dali-Ausstellung geführt hatte, stand im September ein Rundgang durch die Schlossanlage in Salem auf dem Programm. Winnie ist dort regelmäßig in dieser Funktion im Einsatz und kennt sich bestens aus.

Fünf Vereinsmitglieder waren dem Vorschlag gefolgt, mit dem Fahrrad anzureisen und nutzten den spätsommerlichen Tag für eine schöne Tour über Deisendorf, am Affenberg vorbei zur Schlossanlage. Dort trafen wir auf den motorisierten Rest und wurden von Winnie in Empfang genommen. Der war mit einem Bund großer, alter Schlüssel ausgestattet und startete den Rundweg im Schlossgarten, der anfangs den Mönchen zum Anbau von Kräutern und Heilpflanzen diente. Die 13 Teilnehmer erfuhren, wie aus dem geschenkten Land eines Adeligen zur Klostergründung im 12. Jahrhundert nach und nach ein prosperierendes geistliches Zentrum wurde. Es gab aber auch immer wieder Rückschläge zum Beispiel durch einen verheerenden Brand.

Gemäß dem Gebot der Zisterzienser wurde in Salem viel gebetet - sieben Mal am Tag - und gearbeitet sowie wenig gegessen und geredet. Erst handelten die Mönche mit den im eigenen Schlossteich gezogenen Fischen, dann kamen Obst und Gemüse und später der Wein dazu.

Weiteren Zuwachs sicherte die Regel, dass der zweitgeborene Sohn von Adelsfamilien ins Kloster ging und meist Land und Güter mitbrachte. Der Ablasshandel schließlich rundete das Geschäftsmodell ab und machten die eigentlich zu Armut verpflichteten Mönche reich. Dazu verstanden die Äbte es, sich sowohl mit der geistlichen als auch der weltlichen Macht gutzustellen und immer wieder wirtschaftliche Krisen zu meistern. Im 18. Jahrhundert erreichte das Kloster Salem den Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und weltlichen Macht - heute noch sichtbar in den damals angefertigten Neubauten in der Klosteranlage.

Winnie zeigte uns die Pferdeställe und berichtete von Äbten, die gerne sechsspännig durchs Linzgau fuhren. Wir sahen die prächtig ausgestatteten und gut beheizten Räume der Kloster-Chefs. Die Mönche hingegen waren in zwei Klassen eingeteilt, weiß und braun, und verzichteten auf jeden Komfort. Wir erfuhren, dass sie im Stehen ihre Gebete abhalten und öfters mal die Klappe halten mussten. Damit war ihr beweglicher Sitz in der Kirche gemeint. Auch die Maultaschen sind, laut Winnie, eine Erfindung der Brüder, die Fleischreste von Festessen für Gäste in Teigmänteln versteckten, damit der Herrgott es nicht sah.

Das Münster gewann ebenfalls im Laufe der Jahre an Pracht und wurde von einer schlichten zu einer klassizistischen und Rokoko-ähnlichen Kirche. Den Schlusspunkt setzte schließlich Napoleon, der alle Klöster auflöste und die geistlichen Machtstrukturen zerstörte. Im Jahr 1804 verließen die letzten Mönche Salem.

Das alles erfuhren und sahen wir bei unserem Rundgang. Winnie lieferte viele Fakten und Informationen und steuerte Geschichten aus dem Salemer Nähkästchen bei. Das war alles andere als trocken, trotzdem stießen wir zwischendurch im Weinkeller mit einem Glas Bodensee-Secco an. Einem Produkt des Markgrafen von Baden, dem heute noch ein Teil der Anlage gehört. Der andere ist im Besitz des Landes Baden-Württemberg. Statt Mönche wohnen heute an die 650 Schüler aus 45 Nationen auf dem Gelände. Das Internat gründeten 1920 Max von Baden und der Reformpädagoge Kurt Hahn.

Der stilvolle Ausklang des Besuchs der Ruderer in Salem fand im „Alten Gefängnis“ statt, wo Winnie für weitere Geschichten und der Wirt den Rest sorgten.

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